Index der elektronischen Geräte
Innerhalb des Selbstversuches setzten wir uns mit unseren elektronischen Geräten auseinander. Um einen Überblick darüber zu bekommen, welche und wie viele Geräte wir besitzen, erstellten wir einen Index.
Durch die intensive Beschäftigung mit ihnen, hat sich zu einigen Geräten eine geradezu emotionale Beziehung entwickelt.
1
Canon DS6031
Spiegelreflexkamera
Die Canon kam als gebrauchtes Gerät 2008 zu uns. Ich verkaufte sie für 50 EUR an die GfZK für Dich. Vorher gehörte sie einer anderen Frau. Wie die Kamera in deren Besitz kam, ist nicht bekannt.
Die Kamera ist ziemlich robust und schwer. Sie hat eine Besonderheit: das Objektiv ist nicht das ursprünglich zur Kamera gehörige. Es handelt sich um ein Pancolar auto 1,8/50 MC Karl Zeiss Jena DDR. Daher kann es nur manuell eingestellt werden. Zudem gibt es keine Weitwinkeloption. Die Distanzen sind real. Das bedeutet, dass die Art und Weise wie man fotografiert, gewissermaßen eingeschränkt ist. Oft haben die Fotos etwas ausschnitthaftes, fast schon intimes. Auch die Blitzfunktion ist nicht mehr richtig intakt, so dass meistens mit Naturlicht gearbeitet werden muss. Dadurch entsteht eine sehr warme Atmosphäre. Es sind wunderbare Fotografien entstanden zum Beispiel im Projekt Nous habitons ici, 2008, in Rabat, Marokko.
Aber nicht alle Bilder gelingen und das Fotografieren zu Dokumentationszwecken im stressigen Workshopalltag ist nicht so komfortabel. Daher wurde die Canon nach und nach still gelegt. Seit einigen Jahren wird sie gar nicht mehr benutzt. Zudem fehlt die Speicherkarte.
Eigentlich schade.
Während der Portraitierung nahm ich die Kamera seit langem wieder einmal in die Hand. Ich blickte durch den Sucher und sah sofort das besondere Licht und die Weichheit der Umrisse. Das hat mich ganz ergriffen. Ich suche nun die Speicherkarte, denn ich möchte ein paar Bilder aufnehmen.
2
Sony SRS-XB12
Wireless Speakers
Diese zwei baugleichen Geräte befinden sich in unserem Bestand seit 2020. Sie waren erst einmal in Betrieb – zum Test.
Durch die Portraitierung hat sich nichts verändert in meiner Beziehung zu den Boxen: es gibt (noch) keine.
3
TRUST Soundwave 150P
PC-Boxen
Diese Lautsprecher begleiten uns seit Anbeginn unserer Tätigkeit als Kunstvermittlerinnen in der GfZK. Sie waren lange Zeit an einem der Schreibtisch-PCs angesteckt. Je nach Bedarf, schlossen wir die Geräte an MP3-Playern in Projektausstellungen oder bei Parties etwa bei Eröffnungen oder Kindergeburtstagen an. Ihr Sound ist eher überhaupt nicht gut, aber zweckmäßig. Deshalb sind sie bis heute hin und wieder in Gebrauch, wenn auch nur noch selten.
Durch die genauere Betrachtung im Projekt merke ich, dass die Lautsprecher sehr zuverlässige Begleiter sind/waren. Ich fand sie immer hässlich und nicht besonders toll. Aber sie bewährten sich durch ihre Treue und Langlebigkeit. Das weiß ich nun zu schätzen. Das Portraitfoto ist sehr schön geworden. Es kommt mir so vor, als wenn hier zwei alte Bekannte fotografiert wurden.
4
AEG
Ventilator
Unser Büro befindet sich in direkter Südlage. Im Sommer wird es dort sehr heiß, deshalb kommen wir ohne dieses hilfreiche Gerät gar nicht aus. Wir stellen es unter die Schreibtische und pusten kühle Luft an unsere Füße.
Durch die genauer Betrachtung im Projekt merke ich, dass das Gerät sehr zweckmäßig und zuverlässig arbeitet. Dafür verdient es meine Wertschätzung.
5
BLESS Edition
Kaltstromkabel
Das Aussehen von Kabelage stört eigentlich immer das Raumkonzept. Deshalb: Was für eine schöne Idee! BLESS haben sich den Plastikschläuchen unserer elektronischen Begleiterinnen angenommen und sie verkleidet. Mit großen Holzkugeln eine dicke Perlenkette durch den Raum gelegt. Eine goldene Lurex-Bordüre mit Fransen um das Internetkabel gewickelt. Das graue Kaltstromkabel mit einer filigranen Spitze umhäkelt. Wunderbar. So liegt es derzeit in unserer Kabelkiste und wartet darauf angeschlossen zu werden um zu bezaubern.
Das Kabel wurde schon eine Weile nicht benutzt. Im Zuge der Indexierung ist es wieder zum Vorschein gekommen. Ich möchte es unbedingt anschließen! Das Kabel gehört zu einer Serie, die von BLESS 2004 für den Kassenbereich des Neubaus der GfZK entwickelt wurden.
6
Rollei Powerflex 440
Digitale Fotokameras
Liebe Rolleis,
wir kennen uns nicht besonders gut, aber doch schon seit bestimmt 10 Jahren. Ihr wurdet gekauft, damit Kinder in den Projekten Euch benutzen, um das zu fotografieren, was sie selbst für wichtig hielten. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich nur noch an eines dieser Projekte erinnere: Kindergartenkinder untersuchten die Georg-Schumann-Straße. Die Fotos, die während dieser Spaziergänge entstanden, waren wunderbar! Ich erinnere mich an Bilder von aufgerissenen Löchern in der Straße, davon eilenden Katzen und Hunden, Rinnsteine und Autoschilder. Immer in der Perspektive von Augen in ca. 1,20m Höhe.
Heute werdet Ihr schon lange nicht mehr benutzt. Ich kann eigentlich gar nicht sagen, warum. Ich weiß noch, dass es immer Probleme mit dem Laden Eurer Akkus gab. Ständig fehlten die Ladekabel oder es wurde vergessen Euch zu laden und zum Projekttag wart Ihr dann nicht einsatzfähig. Blöd.
Es fanden auch schon länger keine Fotoprojekte mit Kindergartenkindern statt. Und Jugendliche benutzen lieber ihr Telefon zum Fotografieren als Euch.
Nun seid Ihr nur noch zu zweit. Eure dritte Schwester wurde kürzlich entsorgt. Das habe ich heute erst erfahren. Und ich muss sagen, dass es mir leid tut. Ich weiß, dass sie schon lange defekt war. Und ich kann versichern, dass wir wirklich versucht haben, sie reparieren zu lassen. Aber es hat sich einfach niemand gefunden, der:die diese Aufgabe übernehmen wollte. Auch die Firma Rollei selbst nicht! Weil es uns wichtig war, Eure Schwester zu behalten, weil wir die Arbeit und das Material schätzten, aus denen sie gemacht wurde, wollten wir sie erhalten und gaben sie lange nicht auf. Nun ist es doch geschehen. Wenigstens ist sie zu einem Recyclinghof gekommen. Vielleicht gibt es eine neue Zukunft für ein paar ihrer Teile.
Was nun mit Euch zwei Hinterbliebenen passiert, ist eine gute Frage. Ihr bleibt vorerst bei uns. Keine Angst.
Ah, ich mache jetzt gleich mal ein Foto. Von diesem Text hier. Nur so, zum Spaß. Und wenn ich Euch dann irgendwann mal wieder anschalte, erinnere ich mich an jetzt.
Bis dahin! Eure Lena
7
Reflexion
Cassette Recorder
Der Reflexion Cassettenrecorder ist schwarz und auf der Oberseite silbergrau. Er ist eher so ein Gerät, dass auf dem Tisch steht und in das man etwas einspricht. Oder einsprach. Heute wird wohl niemand mehr auf die Record Taste drücken. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass irgendwer noch etwas auf eine Cassette aufnimmt. Diese Ära ist doch endgültig vorbei, oder? Von Nachhaltigkeit kann auch keine Rede sein. Es gehören vier R14 Batterien hinein.
Ich habe keine Ahnung, wie der Cassettenrecorder in unsere Sammlung gekommen ist. Ich kann mich auch nicht erinnern, ihn jemals benutzt zu haben. Oder vielleicht doch – 2009 in dem Ausstellungsprojekt Puzzle, als wir mit der 7. Klasse einer Oberschule einen Raum kuratierten und João sich für das Soundstück von Michael Sailstorfer Ground Beat entschied. Es befindet sich auf einer Cassette. Und ja, es könnte sein, dass irgendjemand diesen Recorder zum Projekt beisteuerte, damit man die Cassette in der Ausstellung anhören kann. Ich erinnere mich, dass es eine Station im Raum gab, an die man sich setzen oder sogar legen, die Kopfhörer aufsetzen und Augen schließen konnte um dem Herzschlag des Künstlers zuzuhören. Wir waren damals alle sehr ergriffen von der Poesie des Werkes. Soweit meine brüchigen Erinnerungen.
Dieses Gerät ist voll funktionstüchtig. Die Batterien sind noch geladen, und wenn man den Play Knopf drückt, drehen sich die Transportdreher (oder wie die heißen, ich kenne den Fachausdruck nicht). Es wird das Beste sein, den Recorder dem Depot der GfZK zu geben. Falls sich mal in Zukunft jemand die Cassette von Michael Sailstorfer anhören möchte.
Texte 1-7: Lena Seik
8
Panasonic
HDC-D99
Digicam
27.09.2021
9:45 Uhr - Ich öffne die knallrote Tasche. Es ist ein Sparkassenwerbegeschenk. Sie beschützt eine kleine Videokamera.
9:49 Uhr - Wie geht sie an? Vielleicht muss ich erst den Akku laden. Aber wie?
9:57 Uhr - Sie lädt. Auf der Speicherkarte sind noch einige Filme. Von Kindern in einer Schule mit bunten Spinden und einem Mann vor einem Podium.
10:00 Uhr - Ich merke, dass ich keinen Bezug habe zu einer Videokamera. Habe ich überhaupt mal eine benutzt?
Also mache ich einen Spaziergang durch das Treppenhaus der GfZK und filme dabei.
10:02 Uhr - Ich filme meinen Schreibtisch. Tasse Tee, mein Notizheft, Stift, Handy und Computer liegen bereit. Und dazwischen lauter Zettel, ein Locher, ein Taschenrechner, das Telefon, ein Ordner, Kopfhörer, Flyer. Eigentlich sitze ich hier jeden Tag.
10:05 Uhr - Blaugrauer Teppichboden, ein Büroboden. Bevor ich ins Treppenhaus gehe, gehe ich nochmal auf den Balkon.
10:06 Uhr - Die Sonnenblumen sind gewachsen. Als meine Arbeit hier begann, war August. Da waren sie noch ganz klein. Jetzt blühen sie wie zum Abschied.
Ich bleibe eine Weile auf dem Balkon und schaue ihnen zu.
10:16 Uhr - Jedes Büro braucht Pausenorte. Der Balkon ist einer davon. Wenn wir nicht auf dem Balkon sind, gibt es noch die Küche. Sie ist klein, umso trubeliger ist es manchmal.
10:17 Uhr - Ich habe Glück, es ist leer, und ich schaue mir die Küche in Ruhe an. Eigentlich ist das wichtigste Stück der Küche die Kaffeemaschine – eine wunderschöne Siebträger. Jeden Tag wird sie von allen Geräten als erstes eingeschaltet. Zusammen Kaffee trinken ist wichtig, habe ich gelernt.
10:20 Uhr - Zusammen Kekse essen auch – es stehen fast immer welche auf dem großen Tisch in der Mitte des Büros. Im Vermittlungsteam haben wir uns durch die Kinder-Schokolade probiert – unangefochten Platz eins sind die Kinder Cards.
10:22 Uhr - Während ich über Kekse nachdenke, fällt mir ein, dass ich mich wieder nicht in die Liste eingetragen habe und hole es schnell nach. Wie viele Listen gibt es wohl in diesem Büro?
10:25 Uhr - Endlich im Treppenhaus angekommen. Aus graublauem Teppich wird Stein. Meine Jeans ist hell – fast wie das Treppengeländer. Wenn ich zulange durch die Kamera schaue, könnte ich noch hinfallen beim Gehen.
10:26 Uhr - Ich mache lieber kurz Pause. Jeden Tag laufe ich mehrere Male hier hoch und runter – habe ich mich hier mal hingesetzt?
Vor mir ist die Arbeit von Johanna Kandl. Eigentlich sehe ich sie auch jeden Tag. Irgendwie aber auch nicht. Ich komme zur Ruhe im blau und weiß der Ausstellung.
10:30 Uhr - Ein Affe schaut mich an. Schaue ich zurück? Nicht so gerne, mir wird etwas flau von der Höhe.
10:32 Uhr - Also weitergehen.
10:33 Uhr - Kann ich das Treppenhaus vermessen? Meine Fußlänge mal vier ist beinahe so lang wie die Treppenstufe.
10:33 Uhr - Die Breite ist beinahe genau so groß wie mein Fuß.
Ich halte fest: meine Fußlänge mal vier mal eine Fußlänge. Irgendwie auch Quatsch.
10:35 Uhr - Ich bin beinahe im Erdgeschoss. Wie ist die Perspektive aus Sicht der Treppenstufe. Füße und Beine jeden Tag. Manchmal vielleicht auch eine Hand.
10:36 Uhr - Aus dem Fenster heraus sehe ich unser Gemüsefeld. Es gab Kürbissuppe dieses Jahr. Ein Hoch auf Gemüsebeete vor der Galerie.
10:37 Uhr - Langsam wird mir der Arm vom Filmen schwer.
10:40 Uhr - Ich bin im Erdgeschoss angekommen. Noch nie bin ich so langsam eine Treppe herunter gegangen. Gerade als ich mich nochmal hinsetzten möchte, klingelt es an der Tür. Ich öffne und schließe dafür die Kamera.
11:00 Uhr - Wieder sitze ich am Schreibtisch. Die Videokamera ist aus. Sie liegt wieder vor mir in der roten Tasche. Das Ladekabel ist um den Körper gewickelt, als hielte es sie fest.
Lange schaue ich sie an und denke nach. Warum habe ich diesen Spaziergang gemacht? Wäre es anders gewesen, wenn ich wie sonst auch nur schnell hoch und runter gelaufen wäre? Wie habe ich das Büro wahrgenommen?
Und dann denke ich, dass ich die Kamera vielleicht öfter mal benutzen sollte, um einen Ort neu zu entdecken. Um Bilder zu sammeln und sie mit Erinnerungen zu verknüpfen. Um das Video in einigen Wochen oder Jahren nochmal anzuschauen und mich an all die kleinen Dinge hier zu erinnern. An meinen Arbeitsplatz, an die Menschen hier, ihre Vorlieben und Orte.
Text: Klarissa Stadion